Gastbeitrag von Edith Friedl

LINZER INITIATIVE ‚INNENHOFGRÜN’

Es ist schon irritierend, ja ärgerlich, wenn nun wieder versucht wird, Zustände wie im 19. Jhdt. herzustellen. Damals trachteten Bauherren, die Höfe ihrer Zinshäuser möglichst gewinnbringend zuzubauen. Diese Freiflächen sahen dann dementsprechend aus: trist, ungemütlich und ohne jedes Grün.
Das änderte sich in den 1920er Jahren grundlegend. Neue menschen- und naturfreundliche Erkenntnisse bahnten sich ihren Weg und Wohnanlagen mit großzügig begrünten Innenhöfen, die Licht, Luft und Freude am Verweilen garantierten, wurden errichtet.
In der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. ging man noch einen Schritt weiter und initiierte in ambitionierten Nachbarschaftsprojekten die Neugestaltung alter, vernachlässigter Innenhöfe aus der Gründerzeit, indem man sie von Zubauten befreite und mit Baumpflanzungen etc. wunderbare grüne Oasen im innerstädtischen Bereich schuf. Die AnrainerInnen sind glücklich über ihre kleinen Paradiese und nützen sie ausgiebig, denn gerade inmitten einer Stadt mit ihrem Verkehr und Lärm steigern sie die Lebensqualität enorm.
Jetzt allerdings beginnt schleichend wieder ein ‚backlash’ – zumindest in Linz – und es wird abermals nach gewinnbringenden Möglichkeiten gesucht, um in stark verbauten Stadtteilen doch noch irgendwo und irgendwie Neu- und Zubauten reinzuzwängen, die kaum oder gar nicht Rücksicht auf ‚gewachsene’ Strukturen nehmen. Und zwar im tatsächlichen Sinn des Wortes: Dafür wird wunderbarer alter Baumbestand gefällt, Freiflächen verkleinert und am liebsten würde man sie wahrscheinlich zubetonieren und grün anstreichen, damit man mit ihnen keine ‚Scherereien’ mehr hat. Was hier zählt, ist Profit. Und sonst gar nichts.
Ökologische Bedenken oder Rücksicht auf die BewohnerInnen? Aber geh! Mit solch Kleinkram hält man sich nicht auf. Die Betroffenen werden die Krot schon schlucken. WIR bauen, sitzen also am längeren Ast und haben die Verantwortlichen der Stadtregierung hinter uns!
Die alte indianische Weisheit fällt mir sofort zu solch zynischen Überlegungen ein:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werdet ihr feststellen,
dass man Geld nicht essen kann.“

Sie kapieren also nicht, dass sie a la long an dem Ast sägen, auf dem sie selber sitzen…
Es handelt sich hier zwar ‚nur’ um lebenswichtige Grünoasen in der Innenstadt, die man verkleinern und verschandeln will, aber dieses Vorgehen ist Probelauf für weitere städtebauliche und architektonische Zumutungen – die keinesfalls ‚Mode’ werden dürfen!
Umso erfreulicher, dass sich nun Betroffene zusammentaten und die INITIATIVE INNENHOFGRÜN ins Leben riefen, damit bereits dem Beginn dieser fatalen Entwicklung Einhalt geboten wird. Ich hoffe sehr, sie wächst üppig weiter und lässt sich nicht zusammenstutzen.

Und ich wünsche ihr ganz viel Erfolg!

Edith Friedl
Architekturhistorikerin



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Dieser Artikel wurde am Juli 3, 2013 in der Kategorie Stadtplanung gestern, heute & morgen abgelegt. Sie können die Antworten zu diesem Artikel über den RSS 2.0-Feed abonnieren. Die können diesen Artikel kommentieren, oder einen Trackback von Ihrer eigenen Website hinzufügen.